16.03.2011

Atomkraftwerke im Rhein-Neckar-Dreieck:

Konstruktionsbedingte Mängel in den AKW Biblis, Philippsburg und Neckarwestheim, zusammengestellt von Prof. Dr. Klaus Buchner

Vorbemerkung: Die Störfälle in diesen AKW werden hier nicht aufgelistet, weil sie leicht bei Wikipedia unter den Stichworten AKW Biblis, AKW Phillipsburg und AKW Neckarwestheim gefunden werden können.

Biblis

* Biblis A: Reaktorgebäude ist mit einer Wandstärke von 60 cm zu schwach gebaut. Es gibt nur Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff oder einem Flugzeugabsturz nicht stand. Nach heutigem Standard wären 180 cm nötig. Biblis B hat eine Wandstärke von 80 cm.

* Biblis A und B: Die Sicherheitsbehälter sind zu klein und wenig stabil. Bei einem Störfall kann Radioaktivität entweichen. Im Jahr 1997 führte die OECD einen Internationalen Vergleich der Sicherheit von AKW durch. Es wurden die AKW in Schweden (Ringhals), Großbritannien (Size well B), Japan (Japan 1100), Niederlande (Borssele), Schweiz (Beznau), USA (Surry, Zion, Robinson, Maine Yankee) und Biblis B verglichen. Lediglich ein inzwischen stillgelegtes US-Atomkraftwerk (Maine Yankee) war schlechter als Biblis B. Der Sicherheitsbehälter hält dem hohen Druck bei einer Wasserstoffexplosion von 11,7 bar nicht stand, er verträgt nur max. 8 bar.

* Die Notstromversorgung einiger deutscher AKW ist nicht sicher genug. Als am 8. 2. 2004 der Reaktor Biblis B wegen eines Unwetters vom Netz genommen werden musste, versagten 5 Notstromsysteme. Nur die Notstromdiesel funktionieren - aber auch hier ist die Redundanz ungenügend (2 von 4).

* Nach einer Schnellabschaltung herrscht noch hoher Druck im AKW (etwa 160 Atmo­sphären, à Dossier, Druckwasserreaktor). Zur Nachkühlung (à Dossier, Abschalten) muss dem Reaktor Wasser unter diesem Druck zugeführt werden. Dazu haben Biblis A und B nur je 4 Druckspeicher; neuere AKW verfügen über 8. So ist nicht sichergestellt, dass der Reaktorkern zuverlässig geflutet werden kann.

* Im Jahr 2003 hat IPPNW (Ärzte gegen Atomkrieg und in sozialer Verantwortung) 42 Auslegungsdefizite von Biblis B festgestellt. Nur ein Teil davon ist bis jetzt behoben.

* Biblis ist nur für schwache Erdbeben der Intensität VIII mit maximalen Beschleunigungen von 1,5 m/s² ausgelegt. Tatsächlich sind aber im geologisch aktiven Rheingraben Beschleunigungen von 3 m/s² und mehr zu erwarten. Damit entspricht Biblis nicht einmal der Kerntechnischen Anleitung KTA 2201. Das AKW Mülheim-Kärlich wurde nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wegen genau dieser mangelnden Sicherheit gegen Erdbeben stillgelegt.

Philippsburg

* Philippsburg 1: Das Reaktorgebäude ist zu schwach gebaut. Es gibt Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff oder einem Flugzeug­absturz nicht stand. Laut Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit von 2002: Wird das Dach des Reaktorgebäudes von Wrackteilen eines Flugzeugs getroffen, und kommt es zu einem anschließenden Treibstoffbrand, so gibt es eine „erhebliche Freisetzung (von Radioaktivität) aus dem Brennelementebecken".

* Gutachten von Prof. Wolfgang Kromp (Wien): Die Reaktoren der Baulinie 69, zu der auch Philippsburg1 gehört, haben Reaktordruckgefäße, die nur 177 N/mm² aushalten, aber nach der Auslegung 320 N/mm² standhalten müssten, um Störfälle zu beherrschen.

* Gutachten des Wiener Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften vom Oktober 2010: Im Reaktordruckbehälter der Reaktoren der Baulinie 69, zu denen auch Philippsburg 1 gehört, besteht Gefahr von Ermüdungsrissen, die nicht rechtzeitig erkannt werden können.

* Philippsburg 1 ist ein Siedewasserreaktor. Dieser Kraftwerkstyp gibt mehr Radioaktivität in die Umgebung ab als Druckwasserreaktoren. Wegen der langen Rohre für das radioaktive Kühlwasser ist er auch anfälliger für Einwirkungen von außen z.B. durch Terrorangriffe. Bei diesem Reaktortyp hat man zwei wichtige Probleme immer noch nicht im Griff: Die Schweißnähte der großen Rohre, die für die Kühlung des Reaktors unerlässlich sind, werden durch den Betrieb spröde und bekommen Risse. Außerdem beherrscht man die Produktion von Wasserstoff nicht. Er hat bereits mehrmals zu Explosionen im nuklearen Bereich deutscher Siedewasserreaktoren geführt, zuletzt 2001 in Brunsbüttel unmittelbar am Reaktordruckgefäß, wobei eine Rohrleitung total zerfetzt wurde.

Neckarwestheim

* Neckarwestheim 1: Das Reaktorgebäude ist zu schwach gebaut. Es gibt Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff oder einem Flugzeugabsturz nicht stand * Neckarwestheim 1: Die Sicherheitsbehälter sind zu klein und wenig stabil. Bei einem Störfall kann Radioaktivität entweichen.

* Neckarwestheim 1 ist eine der wenigen Anlagen mit nur 3 statt 4 Hauptkühlmittel­schleifen (die in je einem Dampferzeuger die Wärme aus dem Reaktor abführen).

* Unter Neckarwestheim sinkt der Boden weg: 1995 senkte sich der Kühlturm von Neckarwestheim um 14 cm ab. 2002 entstand in nur 4,5 km Abstand vom AKW ohne Vorwarnung ein 18 m tiefes Loch. 2009 wurden neue Hohlräume nachgewiesen.

* Vor 4 Jahren hat die Betreiberfirma EnBW selbst bei der Atomaufsicht eine Liste notwendiger Nachrüstungen für Neckarwestheim 1 eingereicht. Nach der Laufzeitverlän­gerung, die an keine Auflagen gebunden ist, sind diese Nachrüstungen plötzlich nicht mehr nötig.

Kategorie: Energie

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